Montag, 9. Mai 2011

Gehört :: Ensel und Krete

Es hat viel zu lange gedauert, bis ich endlich Walter Moers' Ensel und Krete auf die Ohren nahm - so viel kann ich im Nachhinein schon mal sagen.

Ensel und Krete

Urlaub mit den Eltern kann so langweilig sein. Die beiden Fhernhachen-Kinder Ensel und Krete erleben das am eigenen Leibe, als sie mit ihren Eltern den zamonischen Großen Wald bereisen. Dabei hatten sie gehofft, dort endlich einmal etwas zu erleben! Und so ziehen sie auf eigene Faust los, um das Abenteuer zu suchen, verlaufen sich jedoch nach kurzer Zeit. Damit nimmt ein rasantes Märchenabenteuer seinen Lauf, bei dem selbst den Gebrüdern Grimm bald die Puste ausgegangen wäre. Die beiden Zwergenkinder treffen auf zahlreiche gefährliche oder einfach nur sonderbare Geschöpef: einen Laubwolf, Erdgnömchen, Geheimbären, Fledertratten, Schuhus, Einhörnchen, einen sprechenden Meteor und allerlei andere Seltsamkeiten. Natürlich finden auch ein Hexenhaus, und der fantasievolle Showdown hat mehr mit dem Blair Witch Project als mit unseren alten Hausmärchen gemeinsam.

Erzählt wird die Geschichte übrigens vom berüchtigsten Dichter Zamoniens, Hildegunst von Mythenmetz, einem tausend Jahre alten, aufrecht gehenden Zwergsaurier, der die Handlung - meist an ihren spannendsten Stellen - unterbricht, um weiterführende Erläuterungen zu geben, die sogar noch interessanter und witziger sind als die Handlung selbst. Diesem Stilmittel lieh der Dichter sogar seinen Namen: die Mythenmetzsche Abschweifung. Und so erfährt man ganz nebenbei haarsträubende Details über zamonische Zahlensysteme, die sieben Grundtugenden des Dichters oder auch Insiderinformationen über den zamonischen Literaturbetrieb. Abgerundet wird das Buch durch die halbe Biografie des Hildegunst von Mythenmetz unter dem Titel Von der Lindwurmfeste zum Bloxberg.

Ich kann mich zu hundert Prozent folgender Rezension von Michael Winteroll (Quelle: amazon.de) anschließen, die da lautet:

"Achtung, Erlebnis! Hier wispert, raunt und runzt es, dass es eine Art hat. Hier gluckst der Bär, knarzt der Zwerg und haucht der Wolf, dass man sich tiefer in den Sessel schmiegt: Keine Chance, es nicht zu mögen, Dirk Bach zieht einen in den Bann seines Lesefurors. Hier nimmt sich ein Schauspieler das volle Recht. Keine Honorarabgreife, lieblos herunter gelesene Pflichtübungen: Bach macht sich das Vergnügen, einen vielstimmigen Text vielstimmig zu lesen: Meine Ohren lassen vielmals danken!

Beim Buch selbst allerdings frage ich mich: Für wen schreibt Moers eigentlich? Für Kinder? Werden die denn seine amüsante Parodie auf Literaturbetrieb und Literatengehabe verstehen? Oder für Erwachsene? Aber werden die wirklich viele Stunden lang den Abenteuern zweier Zwergenkinder folgen wollen?

Zwergenkinder, Literaturbetrieb? Nun: zwei Kinder aus dem Fantasieland Zamonien verlaufen sich, als sie im zamonischen Ferienparadies (der erwachsene Hörer begreift: Klasse Parodie auf sanften Tourismus!) vom Weg abweichen. Es folgt ein dreitägiger Horrortrip durch einen Wald voll unbekannter Schrecken, mit mörderischen Fabelwesen und ebensolchen Pflanzen. Er endet erst, als die Hexe -- eine zu ständiger Verwandlung und gruseligsten Verstellungen fähige zamonische Lebensform - in einem Gigantenkampf des gesamten Waldgetiers vernichtet ist. So weit das Märchen.

Und warum nun Literaturbetrieb? Vorgeblich hat sich das alles ein zamonischer Dichter mit dem wunderbaren Namen Hildegunst von Mythenmetz ausgedacht. Dieser literarische Großfürst unterbricht immer wieder - an den spannendsten Stellen - den Erzählfluss, um weitschweifige, überaus eitle und auf amüsante Weise bescheuerte poetologische Erklärungen abzugeben. Bei Dirk Bach klingt er ein bisschen wie ein durchgeknallter Marcel Reich-Ranicki. Für Kinder? Für Erwachsene? Moers für alle!"

Punkt.

Von mir Höchstpodzahl! __iPod-Video-Black-icon__iPod-Video-Black-icon__iPod-Video-Black-icon__iPod-Video-Black-icon__iPod-Video-Black-icon__iPod-Video-Black-icon

Lachtränenbeäugte Grüße,
eure
__kirstin

Kommentare:

  1. Ich stimme dir voll und ganz zu.
    Moers für alle und kombiniert mit Dirk Bach finde ich auch ganz witzig.

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  2. Woah, hast du mir jetzt die Nase lang und den Mund wässrig gemacht. Wenn das keine Kaufempfehlung ist, weiß ich auch nicht :)
    DANKE!

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  3. Das macht Lust auf's Hörbuch!
    LG, coffee

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  4. Hmmmm, dieses war nun gerade das Hörbuch von Walter Moers, das ich nicht so gut fand wie z.B. "Die Stadt der träumenden Bücher" oder "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" ;) - Kennst du die?

    Ganz liebe Grüße - Sunsy

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  5. Die Hörbücher kenne ich bisher noch nicht (schande über mich), aber die Bücher aus Zamonien kann ich allesamt empfehlen. Vor allem die "13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" und "Die Stadt der träumenden Bücher", wobei die anderen auch toll waren!! Naja, mein Name verrät ja schließlich auch, das ich Moers-Fan bin ;-)
    Liebe Grüße, Fredda (nach der bekanntesten Berghutze südlich des Hutzengebirges)

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